Gruß der Ortsgruppe

Die Ortsgruppe Ruhrkohle kommentiert die aktuelle Krise

Die Ortsgruppe Ruhrkohle kommentiert die aktuelle Krise.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

in dieser etwas schwierigen, für uns alle ungewohnten Zeit, möchten wir als OG-Vorstand euch einen herzlichen Gruß schicken.

Da ist etwas über die Menschheit hereingebrochen, mit dem wir alle nicht gerechnet haben. Die Alten erinnern sich noch mit Schrecken an Ausgangssperren während des Krieges und die Nahrungsmittelknappheit danach. Die Jungen sind völlig konsterniert. In ihrer Freiheit eingeschränkt zu werden, finden es ungeheuerlich. Wie gut, dass sich inzwischen die Ver-nunft bei fast allen durchgesetzt hat und sich die meisten Menschen nun entsprechend ver-halten. Oder auch nicht, denn die Corona-Krise treibt mitunter recht merkwürdige Blüten. Ein Lastwagen brachte dringend benötigtes Toilettenpapier. Als man die Paletten ins Lager schieben wollte, stürzten plötzlich von allen Seiten Leute herbei, rissen die Packungen von den Paletten, luden sie in ihr Auto und fuhren davon, ohne zu bezahlen. Diese Szene zeigt drastisch, woran unsere Gesellschaft krankt. Im Kapitalismus hat alles zu jeder Zeit und in vollem Umfang zur Verfügung zu stehen. Knappheit ist unbekannt. Wo sie sich plötzlich – und sei es auch nur beim Klo-Papier – bemerkbar macht. Es gäbe wohl Mord und Totschlag, wenn man plötzlich hungern und frieren müsste.

Darum ist die jetzige Situation ein Ernstfall für die Solidarität. Wir in den Gewerkschaften wissen aus der Geschichte: Nur sie hat uns stark gemacht und ließ uns überleben. Darum sollen wir in diesen anstrengenden Zeiten mit gutem Beispiel vorangehen. Das bedeutet, denen zu danken, die es jetzt besonders schwer haben: das überstrapazierte Pflegepersonal, die besonders gefährdeten Leute an der Ladenkasse, die Menschen in Rettungs- und Sicherheitsdiensten, die oft nicht auf genügend Selbstschutz achten können. Habt Acht auf die Älteren, auf die Hoch-Risiko-Patienten, die Vereinsamten, denen die Decke auf den Kopf fällt. Telefon und die sozialen Medien können heute eine Brücke schlagen. Und warum nicht auch der alte Brief an jene, die sich nicht an die neue Technik heranwagen. Nachbarschafts-und Einkaufshilfen werden mehr und mehr angeboten. Gerade auch junge Leute tragen sich an. Das sind schöne Zeichen. Wir können sie verstärken.

Schwierig wird es nun für viele, die in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit fallen. Wer gewerk-schaftlich organisiert ist, kann wenigsten Beratung in Anspruch nehmen. Nicht alle wissen, dass niedrige Arbeitseinkommen nach Hartz IV aufgestockt werden können.

Corona ist ein mächtiger Schuss vor den Bug. So geht es nicht mehr weiter. In diesem Tempo, mit dieser Mobilität, mit dem Raubbau an der Schöpfung, mit den Profiten und dem Zerfall der Gesellschaft in Arm und Reich. Wenn das Virus besiegt sein wird, darf es nicht mehr so weitergehen. Globalisierung auch der Solidarität nicht nur der Wirtschaft.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in dieser Zeit ist es schwer zu planen, doch wir hoffen, dass   wir unsere geplanten Aktivitäten irgendwann fortsetzen können und wünschen allen, dass sie von diesem Virus verschont bleiben und weiterhin ein fröhliches Herz.

 

Glückauf!

Helga Leonhard  

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