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18.06.2019

Chemie-Tarifrunde 2019: "Es wird Zeit!"

Hauptvorstand beschließt Forderungsempfehlung: IG BCE will umfangreiches Zukunftspaket und mehr Geld durchsetzen

Entlastung, Sicherheit im Alter, Qualifizierung: Die IG BCE will für die 580.000 Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie zusätzlich zu spürbaren Lohnsteigerungen ein umfangreiches Zukunftspaket durchsetzen. Es umfasst die Einrichtung eines individuellen Zunkunftskontos, die bundesweit erste tarifliche Pflegezusatzversicherung und eine Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels. Die entsprechende Forderungsempfehlung für die Tarifrunde 2019 hat der Hauptvorstand der IG BCE einstimmig beschlossen. Sie trägt das Motto "Es wird Zeit!".

IG-BCE-Tarifvorstand Ralf Sikorski begründet die Forderungsempfehlung IG-BCE-Tarifvorstand Ralf Sikorski begründet die Forderungsempfehlung

„Wir gehen in dieser Tarifrunde die großen Herausforderungen moderner Industriegesellschaften an: Arbeitsbelastung, Digitalisierung, Demografie“, sagte Verhandlungsführer Ralf Sikorski, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der IG BCE. „Aus Umfragen wissen wir, dass diese Themen den Beschäftigten aktuell am meisten auf den Nägeln brennen. Es wird Zeit, dass die Arbeitgeber ihnen hier entgegenkommen.“

Die Forderungsempfehlung sieht im Einzelnen vor:

Die Schaffung eines persönlichen Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1000 Euro, über das jeder Beschäftigte individuell verfügen kann: ob zur Umwandlung in zusätzliche freie Tage oder zum Ansparen auf einem Langzeitkonto – etwa, um in bestimmten Lebensphasen eine längere Auszeit nehmen zu können. Denkbar ist auch die Nutzung zur Altersvorsorge oder die direkte Auszahlung. Der Betrag ist tarifdynamisch zu gestalten. Sikorski: „Wir wollen die Option ,Geld in Zeit‘ mit einer maximalen Entscheidungsfreiheit für den Einzelnen verbinden. Die Beschäftigten wissen selbst am besten, was für sie das Sinnvollste ist.“

Eine reale Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen. Sikorski: „Die Beschäftigten verdienen ein spürbares Plus. Eine Abkühlung der Konjunktur bedeutet noch keine Krise. Auslastung, Beschäftigungs- und Auftragslage liegen weiterhin auf hohem Niveau. Wir werden dafür Sorge tragen, dass die Beschäftigten das auch im Portemonnaie merken.“

Die Einführung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung. Sie wird durch die Arbeitgeber finanziert und schließt bei Eintritt des Pflegefalls die Finanzierungslücke zur gesetzlichen Vorsorge. Sikorski: „In einer älter werdenden Gesellschaft steigt von Jahr zu Jahr das Pflegerisiko – und die Ungewissheit, ob man sich die Unterstützung im Fall der Fälle überhaupt leisten kann. Diese tarifpolitische Innovation soll unser Sicherheitsversprechen an die Beschäftigten sein. Für die Branche bietet es gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal im Werben um Fachkräfte.“

Eine Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels. Sikorski: „Wir wissen aus Umfragen, dass die Beschäftigten der Digitalisierung mehrheitlich offen gegenüberstehen und bereit sind dazuzulernen. IG BCE und Arbeitgeber haben im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie hier erste Verabredungen getroffen. Aber da muss noch mehr kommen. Was fehlt, sind schlüssige und passgenaue Weiterbildungskonzepte.“

Die Laufzeit des Tarifvertrags ist abhängig vom Gesamtpaket.

Die Forderungsempfehlung des Hauptvorstands bildet den Beginn der Tarifbewegung in der Chemieindustrie und die Grundlage für die nun folgenden Diskussionen in den Vertrauensleutegremien und Tarifkommissionen der IG BCE. Am 19. September beschließt die Bundestarifkommission die endgültigen Forderungen, am 30. September starten die Gespräche zwischen IG BCE und Arbeitgebern in den regionalen Tarifbereichen. Am 21. Oktober wechseln beide Seiten zu zentralen Verhandlungen auf die Bundesebene.

In der zurückliegenden Tarifrunde hatten sich IG BCE und Arbeitgeberverband BAVC darauf verständigt, Fragen rund um Arbeitszeitsouveränität und Qualifizierung in einer "Roadmap Arbeit 4.0" zu sondieren. Mit der Forderungsempfehlung formuliert die IG BCE nun konkrete Maßnahmen für ihre Umsetzung.