Corona-Krise

Besondere Maßnahmen für besondere Zeiten

Gerade in der Corona-Krise mit ihren kaum abzusehenden wirtschaftlichen Folgen sind gewerkschaftliche Stärke und eine handlungsfähige Mitbestimmung im Betrieb unabdingbar. Deshalb bündelt die IG BCE ihre Kräfte für die Zeit der Pandemie neu – um ihre 600.000 Mitglieder und die Aktiven vor Ort schnell und bestmöglich zu unterstützen. Ein Beitrag von Michael Vassiliadis.

Helge Krückeberg

Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE
30.03.2020

Wir befinden uns in einer beispiellosen Krise. Deutschland, Europa, die ganze Welt. In vielen Ländern dieser Erde werden weitreichende Anstrengungen zur Eindämmung von Covid-19, der Corona-Pandemie, unternommen. Mit der Folge, dass das soziale Leben auch in Deutschland weitgehend eingeschränkt ist. Ebenso wenig wie die Infektionswelle ihren Höhepunkt erreicht hat, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Ausmaß der wirtschaftlichen abzusehen. Festzustehen scheint jedoch, dass unserer Wirtschaft einer der größten Einbrüche der Geschichte bevorsteht – mit dem Unterschied, dass der Staat diesmal den Willen hat, einen riesigen Rettungsschirm für Beschäftigte und Wirtschaft aufzuspannen. Entsprechend begrüßt die IG BCE, dass der Bundestag schnell und zielstrebig das umfassendste Hilfspaket seit Bestehen der Bundesrepublik verabschiedet hat. Im Detail sehen wir aber dennoch Nachbesserungsbedarf (siehe FAQ).

Wir als IG BCE sind in dieser Zeit in der Verantwortung. Wir kümmern uns darum, dass gesunde wie erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmer nicht mehr Lasten tragen müssen als sie können und dass es gerecht zugeht in der Krise. Für unsere 600.000 Mitglieder, die sich in dieser historisch beispiellosen Situation sorgenvoll fragen: Was wird aus meiner Arbeit, meinen Zukunftsperspektiven, meiner Lebensplanung? In dieser Zeit stehen wir in der Pflicht über uns hinaus zu wachsen. Gewerkschaft als Schutzmacht der Beschäftigten erlebt in der Corona-Krise eine ganz neue Dringlichkeit, eine ganz neue Relevanz. Dessen sind wir uns bewusst, dem stellen wir uns mit voller Motivation.

Deshalb haben wir für die Dauer der Krise die Kompetenzen der rund 800 Kolleginnen und Kollegen in der IG BCE-Hauptverwaltung in Taskforces versammelt. Sie kümmern sich um die drängendsten Fragen, unter anderem um Themen wie Kurzarbeit, betriebliche oder tarifliche Sondervereinbarungen, Rechtsberatung, Weiterbildung und die Zukunft der industriellen Wertschöpfungsketten. Das tun wir, um zum einen unsere Aktiven in den Betrieben schnell und punktgenau mit Know-how unterstützen und zum anderen jetzt anstehende politische Weichenstellungen bestmöglich im Sinne unserer Mitglieder mitgestalten zu können.

Schmerzhaft für eine Organisation, deren Kultur so sehr auf Vertrauen und Nähe, auf freundschaftliches Miteinander baut, ist natürlich das derzeit allgegenwärtige Abstandsgebot, das „Social Distancing“. Für uns als IG BCE ist es dennoch wichtig, auch in der Corona-Krise – und trotz vorübergehend geschlossener Geschäftsstellen und ausfallender Betriebsversammlungen – erreichbar und ansprechbar zu sein. Deshalb haben wir eine bundesweite Krisen-Hotline geschaltet, die montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr über die örtliche Telefonnummer der jeweiligen IG-BCE-Bezirke erreichbar ist. Übers Telefon gibt es den direkten Draht zu unseren Experten – denn die Gewerkschaftssekretäre und Betriebsbetreuer vor Ort können jederzeit auf die Taskforces in der Zentrale zurückgreifen.

Natürlich kümmern wir uns mit selber Kraft darum, dass unsere Vorschläge und Argumente auch auf der politischen Bühne gehört und beherzigt werden. Denn wir können hohe Lösungskompetenz einbringen. Beispiel Kurzarbeit: Viele Betriebe werden auch in den Branchen der IG BCE Kurzarbeit anmelden müssen, beschäftigt sind dort rund 1,1 Millionen Menschen. Ein Gutteil unserer Kolleginnen und Kollegen, etwa in der chemischen und der Papier-Industrie, sind dank starker Tarifverträge besser vor den Auswirkungen der Kurzarbeit geschützt, als sehr viele andere Menschen in diesem Land. Von der IG BCE erkämpfte Errungenschaften wie die Aufstockung des gesetzlichen Kurzarbeitergeldes auf bis zu 90 Prozent des Nettolohns, werden wir auch für andere Branchen einfordern. Außerdem ist jetzt insgesamt ein Zeichen der Solidarität der Arbeitgeber gefragt: Indem sie dafür sorgen, dass die Entlastungsmaßnahmen für die Unternehmen auch den Beschäftigten zugutekommt.

Gerade in der Krise müssen die Tarifparteien Geschlossenheit zeigen und schnell zu einvernehmlichen und innovativen Lösungen kommen. Eine funktionierende Zusammenarbeit kann auch in der Krise zum Stabilitätsanker und Taktgeber für ganze Wirtschaftszweige werden.

Wie gutes Krisenmanagement aussehen kann, haben IG BCE und Chemie-Arbeitgeber gleich am Anfang der Corona-Krise gezeigt – mit Vereinbarungen zur Bewältigung der Pandemie-Folgen. So haben wir uns unter anderem darauf verständigt, dass für 2021 und 2022 entstehende Zeitansprüche aus dem in der zurückliegenden Chemie-Tarifrunde vereinbarten individuellen Zukunftsbetrag bereits auf das Jahr 2020 vorgezogen werden können. Gerade Eltern betreuungspflichtiger Kinder, die gerade daheim statt in der Schule oder in der Kita sind, können so bis zu zehn voll bezahlte freie Tage mehr bekommen. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

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